Diagnose Arthrose

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Was darf mein Hund noch?

 

Statistisch betrachtet leidet jeder fünfte Hund in Deutschland an Arthrose. Wenn Hundehalter die Diagnose dieser unheilbaren Krankheit erhalten, sind sie meist ratlos und wissen nicht, was ihr Hund überhaupt noch machen darf. Der erste Gedanke ist in der Regel, dass die Gassigänge ab sofort nur noch ganz kurz ausfallen und Bewegungen jeglicher Art strikt eingeschränkt werden. Denn man muss den Hund ja nun schonen, um ein Fortschreiten der Arthrose zu vermeiden. Dies ist aber nicht nur falsch, sondern kann sogar schlimme Schäden verursachen.

 

Komplette Schonung erzeugt noch mehr Arthrose

Gelenke brauchen Bewegung, damit die Ernährung des Gelenkknorpels gewährleistet ist. Denn die Nährstoffe gelangen nur mittels einer Pumpbewegung in den Knorpel, und zwar über die Gelenkflüssigkeit. Diese bleibt aber nur dann flüssig, wenn das Gelenk bewegt wird. Bleibt die Bewegung aus, wird der Knorpel nicht mehr ausreichend ernährt. In der Folge entsteht weitere Arthrose.

Zudem verändert die Gelenkflüssigkeit ohne Bewegung ihre Konsistenz und wird zäh, so dass es schnell zu einem Knorpelschaden kommt. Auch Bänder, Sehnen und Muskeln werden in Mitleidenschaft gezogen und in der Folge ist dann die Gelenkbeweglichkeit eingeschränkt. Die Muskulatur baut ab, was wiederum eine zusätzliche Belastung für die Gelenke bedeutet. Bei kompletter Schonung oder zu wenig Bewegung gerät der Hund damit sehr schnell in einen Teufelskreis: Weniger Bewegung fördert mehr Arthrose.

Damit ist klar: Eine komplette Schonung bei einer Gelenkarthrose kann nicht das Mittel der Wahl sein, um ein Fortschreiten zu verhindern. Doch was ist dann der richtige Weg?

 

Bewegung dem Gesundheitszustand angepasst

Angepasste Bewegung ist das Zauberwort. Ich weiß, das ist ein schwammiger Begriff, denn es lässt sich nichts pauschal beziffern, sondern muss individuell für jeden Hund festgelegt werden.

Grundsätzlich sollte die tägliche Bewegung des Hundes seinem Gesundheitszustand angepasst sein. So ist es bei Gelenkerkrankungen sinnvoll, nicht mehr zweimal täglich lange Spaziergänge zu machen, sondern über den Tag verteilt mehrere kürzere. Das hat den positiven Effekt, dass Ihr Hund nicht so schnell erschöpft ist und sich zugleich die Erholungsphase deutlich verkürzt. Wie lang der einzelne Spaziergang sein darf, muss man wirklich austesten und immer im Blick haben, wie es dem Hund dabei und vor allem danach geht.

„Aber mein Hund spielt doch noch mit seinen Kumpeln“ ...

Die Aussage, dass Hunde trotz schwerer Gelenkprobleme förmlich bis zum Umfallen laufen und wie wild mit ihren Hundekumpeln spielen, höre ich nicht selten. Das liegt letztllich daran, dass unsere Hunde kein Vernunftsdenken haben. Ihr Hund denkt sich nicht: „Ich sollte jetzt aufhören, zu spielen, sonst tut mir morgen mein Knie wieder weh.“ 

Es liegt in unserer Verantwortung als Hundehalter zu schauen, dass es unseren Hunden gutgeht. Und wir sind es, die für unsere Hunde vorausschauend denken müssen. Das bedeutet aber nicht, dem Hund nun alles zu verbieten. Ein gesundes Gleichgewicht ist dabei wichtig. Denn am Ende darf auch die Lebensfreude nicht darunter leiden.

Reichen Spaziergänge alleine aus?

Spaziergänge sind in jedem Fall sehr wichtig. Zusätzlich ist es aber hilfreich, Ihren Hund mit gezielten Bewegungsübungen, die gut gegen seine Arthrose sind, zu unterstützen. Denn regelmäßige Gymnastik, um Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten und zu fördern, ist nicht nur bei uns Menschen empfehlenswert, wenn wir unter Gelenkproblemen leiden. Übrigens ist für schmerzgeplagte Hunde mit Arthrose ein weicher, elastischer Untergrund wie etwa ein Waldboden wesentlich angenehmer als harter, starrer Asphalt.

Wer rastet, der rostet: Deshalb ist es wichtig, eine gewisse Beweglichkeit Ihres Hundes zu erhalten, um damit dem Fortschreiten der Gelenkprobleme entgegen zu wirken. Angepasste Spaziergänge und zusätzlich gezieltes Bewegungstraining sind optimal, um Ihren Hund nicht zu überlasten und die Gelenke nicht übermäßig zu schonen.

Schmerzen darf kein Hund haben!

Ich weiß, dass viele Hundehalter oft lange zögern, bis sie ihren Hund mit chemischen Schmerzmitteln versorgen. Als Argument wird hier die Belastung der Organe bei der Verstoffwechselung des Medikaments angebracht. Und das ist durchaus ein wichtiger Aspekt, denn nicht selten können auch natürliche Schmerzmittel helfen. Aber bei starken Schmerzen wird man nicht um die „Chemie-Keule“ herum kommen. Hunden geht es hier nämlich nicht anders als uns Menschen. Demzufolge lässt sich sagen, dass Schmerzen die Lebensqualität des Hundes erheblich mindern. Außerdem hat es dramatische Folgen, wenn ein Schmerz chronisch und so selbst zu einem eigenen Krankheitsbild wird.

Wie man das Schmerzmanagement gestaltet, muss individuell für den Hund entschieden werden. Ob man auf konservative Schmerzmedikation setzt, auf Unterstützung durch Nahrungsergänzungsmittel, auf Homöopathie oder auch eine Kombination aus allem, sollte von Fall zu Fall entschieden werden.

Fit und beweglich durch Hundephysiotherapie

Zusätzlich kann Hundephysiotherapie Ihrem Hund dank zahlreicher therapeutischer Maßnahmen helfen, die gezielt zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Denn bei einer physiotherapeutischen Behandlung wird mit bestimmten Grifftechniken die Ernährungssituation im Knorpel verbessert. Massagetechniken und Thermotherapie lockern die durch die Schmerzen verspannte Muskulatur und nehmen damit den permanenten Druck vom Gelenk. Häufig ist auch die Muskulatur abgeschwächt, hervorgerufen etwa durch Schonhaltungen. Diese wird mit entsprechender Krankengymnastik wieder aufgebaut. Damit wird vorgebeugt, dass auch benachbarte Strukturen beginnen, eine Arthrose bei Ihrem Hund zu entwickeln. Zudem hilft Physiotherapie dabei, die Gelenkbeweglichkeit zu steigern oder zumindest zu erhalten, und ein physiologisches Gangbild zu erarbeiten, dass wiederum Fehlhaltungen und somit weiteren Schmerzen entgegenwirkt. 

Hundephysiotherapeuten zeigen Ihnen gezielte und auf Ihren Hund abgestimmte Übungen. Zudem erhalten Sie viele wertvolle Informationen, wie Sie Ihren Hund bei Arthrose noch unterstützen können. 
 

Dieser Artikel wurde mir freundlicherweise von Sabine Zemla zur Verfügung gestellt:

Porträt:

Sabine Zemla ist ganzheitliche Physiotherapeutin für Hunde in Bayreuth. Mit ihrer mobilen Praxis bietet sie neben klassischer Physiotherapie und Krankengymnastik auch eine Vielzahl spezieller Behandlungstechniken an, um die Gesundheit und Fitness der Hunde wiederherzustellen und zu erhalten.